Informationen zum Thema Vogelgrippe

 

Einleitende Hinweise zur „Vogelgrippe“ für Mitglieder des NABU Rheinland-Pfalz

Aus- und Verbreitung der aviären Influenza

Übertragung und Gefährlichkeit

Schutzmaßnahmen / Tipps zum Verhalten

Hinweise für Beringer

 

 

Einleitende Hinweise zur „Vogelgrippe“ für Mitglieder des NABU Rheinland-Pfalz

Seit Monaten hat sich das Medienspektakel angekündigt, und nun hat uns die nationale Hysterie zur Vogelpest bzw. Vogel“grippe“ oder aviären Influenza voll im Griff. Kein Pressethema erregt derzeit soviel Aufmerksamkeit und erzeugt so viele Ängste wie die Vogelgrippe seit der Entdeckung toter Schwäne auf Rügen am 14.2.2006.

Gleichzeitig hat uns das Ministerium für Umwelt und Forsten um Unterstützung gebeten.

Deswegen haben wir die wichtigsten Informationen hier für Sie zusammengetragen (aus einem Rundschreiben des NABU Rheinland-Pfalz · 2. März 2006 von Friedrich Wulf).

 

Aus- und Verbreitung der aviären Influenza

Symptome

Die Vogelpest oder Vogel“grippe“, wie sie in jüngerer Zeit medienwirksam umgetauft wurde, ist eine Erkrankung vornehmlich von Hausgeflügel (Hühner, Truthähne, Gänse, Enten), die sich durch eine Reihe wenig spezifischer Symptome auszeichnet. Neben Zeichen allgemeiner Schwäche (Apathie, Inap­petenz, stumpfes, struppiges Federkleid) treten hohes Fieber, eine erschwerte Atmung mit geöffnetem Schnabel, Ödeme (d. h. Schwellungen aufgrund Flüssig­keits­aufstauung) an Kopf, Hals, Kamm, Kehllappen, Beinen und Füßen, Blau­verfärbung von Haut und Schleimhäuten, wässerig-schleimiger und grünlicher Durchfall, neurologische Störungen (sonderbare Haltung des Kopfes, Störungen der Motorik) auf. Die Legeleistung sinkt, die Eier sind dünnwandig oder schalenlos. Die Mortalität in infizierten Hausgeflügelbeständen ist sehr hoch, der Tod tritt in kurzer Zeit bei nahezu allen Tieren auf.
 

Ausbreitung

Grippeähnliche Viruserkrankungen beim Hausgeflügel („Vogelpest“) gab es schon immer. In der Regel haben sich die Herde jedoch von ihren Ur­sprungsregionen nicht weiter ausgebreitet. Der Viren­stamm H5N1 hat sich nun jedoch seit seiner Entdeckung 1997 in Hongkong über Russland und die Türkei nun nach Europa ausgebreitet; derzeit ist er in 7 EU-Ländern aufgetreten.
 

Verbreitungswege

Die Verbreitungswege sind noch nicht vollständig bekannt. Verbreitungsmuster und Verbreitungs­ablauf lassen sich jedoch nicht mit Vogelzug erklären. So fehlt das Virus in Australien, obwohl hier regelmäßig die Zugvögel aus den Kerngebieten der Vogelgrippe Südostasiens überwintern. Sowohl die innerasiatische Ausbreitung als auch die Ausbreitung nach Europa erfolgte von Ost nach West, während die Hauptzugrichtungen in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Wäre der Vogelzug Hauptver­breitungs­ursache, wäre die Verbreitung wesentlich schneller (innerhalb von Tagen) und auch in andere Richtungen von statten gegangen. Bei den in Rügen verendeten Höckerschwänen handelt es sich um Standvögel oder Kurzstreckenzieher aus Skandinavien und dem Baltikum. Dort gab es aber gar keine Vogelgrippen-Fälle. Auch die betroffenen Singschwäne hatten nachweislich keinen Kontakt zu bisher bekannten Ausbruchsgebieten. Es ist angesichts der kurzen Inkubationszeit von 2-5 Tagen auch nicht anzunehmen, dass infizierte Tiere noch in der Lage sind, größere Strecken zurückzulegen und damit das Virus zu verbreiten.

Dagegen gibt es deutliche Hinweise, die auf eine Ausbreitung durch den internationalen Geflügel­handel hindeuten. So stieß die Ausbreitung in Russland entlang der Transsibirischen Eisenbahn vor, auf der regelmäßig Geflügel transportiert wird. Laut einer aktuellen Studie der Nichtregierungs­organisation Grain (www.grain.org) lassen sich bei allen Ausbrüchen Verbindungen zu intensiv bewirtschafteten Geflügelfarmen ziehen, die ihre Aufzuchthühner in der ganzen Welt vertreiben. So bezieht etwa die Türkei 12% ihres Hühnernachwuchses aus südostasiatischen Zuchtfarmen, wo das Virus bekanntermaßen wütet. Inzwischen gilt auch die Türkei als flächenmäßig verseucht. Hühnerkot wird regelmäßig weltweit gehandelt und als Dünger auf Äcker und zusammen mit Schlachtabfällen als Fischfutter in Fischteiche eingebracht. Im Kot und in Tierresten kann nach Angaben der Weltgesund­heitsorganisation WHO das Virus bis zu 35 Tage infektiös bleiben. Auch Mecklenburg-Vorpommern scheint regelmäßig Hühnermist aus anderen Ländern zu importieren. Das wäre eine relativ einfache, aber durchaus plausible Erklärung für das relativ isolierte Ausbruchs­geschehen auf Rügen.
 

Der NABU fordert daher eine verstärkte Untersuchung dieser Verbreitungswege sowie ein Verbot internationaler Geflügeltransporte und der Verwendung von Hühnerkot in Tierfutter und als Dünger.
 

 

Übertragung und Gefährlichkeit

Übertragung

Die Vogelpest ist eine Geflügelkrankheit, die über die Schleimhäute, die Blutbahn oder die Nahrung aufgenommen wird. Infektiös sind Körperflüssigkeiten und Kot der Tiere. Das Virus ist aber im Freien wenig stabil und wird bei Erhitzung über 70 Grad abgetötet. Auch Seife oder Detergenzien inaktivieren das Virus.
 

Bedrohung für den Menschen

Bisher (seit 1997) wurde es in deutlich weniger als 200 Fällen auf den Menschen übertragen. Alle diese Fälle beschränken sich auf Asien, wo der Kontakt zwischen Mensch und Geflügel intensiver ist als bei uns. In Europa wurde bisher niemand infiziert, lediglich eine H5N1-infizierte Katze wurde am 28.2.2006 auf Rügen festgestellt. Zum Vergleich: im selben Zeitraum starben allein in Deutschland 63.000 Personen im Straßenverkehr und 100.000 Personen an der normalen Grippe. Diese Zahlen zeigen die Unverhältnismäßigkeit der gegenwärtigen Diskussion.

Noch nie wurde ein Mensch durch den Kontakt mit Wildvögeln infiziert. Die Möglichkeit, dass irgendwann das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, besteht bisher nur theoretisch und auch nur dann, wenn das Virus erheblich verändert (d.h. mit menschlichen Grippeviren rekombiniert) wird; ab dann wäre aber der Mensch der wesentliche Überträger und nicht die Wildvögel.
 

Infektionsrisiko für Singvögel und Tauben

Unter den Wildvögeln infiziert sind im Wesentlichen Wasservögel wie Schwäne oder Enten. Denkbar ist auch eine Infektion von Greifen, Eulen und Krähen, die sich von diesen ernähren. Unter den Sing- oder Kleinvögeln sind jedoch bisher in Mitteleuropa keine Fälle mit H5N1 bekannt. Wie die Vogelwarte Radolfzell mitteilt, geht von diesen oder auch von Tauben und Störchen keine Gefahr aus. Es besteht für diese Arten kaum die Gefahr, dass sie im Freiland mit dem Virus in Kontakt kommen.

Zudem lassen sich Tauben selbst künstlich kaum infizieren, und der Kot infizierter Tauben enthält nur so geringe Mengen des Virus, dass selbst die sehr empfänglichen Hühner nicht infiziert werden, wenn sie damit in Berührung kommen.

 

Schutzmaßnahmen / Tipps zum Verhalten

Derzeit ist keine Panik angesagt. Das Virus hat Rheinland-Pfalz noch nicht erreicht, wie ein umfassendes Monitoringprogramm des Umweltministeriums belegt. Wenn dieser Fall auftritt, und damit muss gerechnet werden, ist dennoch nicht mit einer Infektion der Singvögel zu rechnen. Das Beseitigen von Vogelnestern, Nistkästen etc. ist in keiner Weise angezeigt und gesetzlich verboten – bitte geben Sie diese Information auch weiter!

Dennoch sollten prophylaktisch einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden:

  • Kein Verzehr von rohem Geflügel und von rohen Eiern. Gekochtes kann bedenkenlos verzehrt werden. Der Kauf von Biobetriebe gibt hier zusätzliche Sicherheit, da diese nicht mit artfremdem Tierfutter füttern und hier auch Tiertransporte nicht in dem Maß stattfinden wie bei industrieller Massentierhaltung.
     

  • Keine Fütterung von Wasservögeln. Die Ansammlung von Vögeln an den Futterplätzen begünstigt die Übertragung des Virus von Vogel zu Vogel.
     

  • Möglichst kein direkter Kontakt mit Vögeln oder mit Vogelkot, insbesondere bei den Risikoarten.

  • Vogelfutter sollte so dargeboten werden, dass keine Verschmutzung des Futters mit Vogelkot erfolgen kann (siehe PM des NABU-RLP vom 20.2.2006).
     

  • Rastende Vogelschwärme möglichst nicht stören – dies würde die Verbreitung des Virus fördern, weil die Tiere dadurch in alle Richtungen vertrieben werden. Infizierte Tiere, die nicht aufgescheucht werden, verenden an ihrem Aufenthaltsort innerhalb weniger Tage, ohne das Virus in andere Regionen zu verbringen. Auch die Wasservogeljagd ist ein Störfaktor.
     

  • Vogelberinger und Nistkastenbetreuer sollten bei der Pflege und Reinigung von Nistkästen Handschuhe und eine Atemschutzmaske tragen. Danach sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Ein bei uns erhältliches Sonderrundschreiben der deutschen Vogelwarten enthält detaillierte Tipps.
     

  • Vogelauffangstationen sollten von den Risikoarten nur noch wirklich seltene Arten aufnehmen, nicht mehr jede Stockente und dann besondere Vorsicht walten lassen. Neuzugänge sollten separat gehalten und auf Vogelgrippeviren untersucht werden, um eine Kontamination zu verhindern. Im Infektionsfall wird die Tötung aller Vögel in der Station angeordnet.
     

  • Bitte um Mitteilung von Beobachtungen

Das Ministerium für Umwelt und Forsten bittet um Mithilfe bei der Beobachtung von möglichen Vogelgrippefällen. Insbesondere Ansammlungen mehrerer apathischer oder toter Vögel (vor allem von Schwänen, Enten, Gänse und anderer Wasservögel) sollten gemeldet und ggf. untersucht werden – nicht anfassen! Neben dem Fundort sollten die Vogelart und die Zahl der toten Vögel angegeben werden.
 

Bei sich aufdrängenden Sachverhalten wie z.B. dem Fund einer toten Katze am Fundort oder in der Nähe des Fundorts toter Vögel liegt es nahe, auch solche Tiere wie o. a. zu melden.

 Ansprechpartner sind die Veterinärämter bei den Verwaltungen:

Kreisverwaltung Kaiserslautern
Lauterstraße 8
67657 Kaiserslautern
Tel.: 0631-7105452

Stadtverwaltung Kaiserslautern
Willy-Brandt-Platz 1
67657 Kaiserslautern
Tel.: 0631-365-0

 

Hinweise für Beringer

Sonderrundschreiben der deutschen Vogelwarten zum Thema "Vogelgrippe",Februar 2006

Institut für Vogelforschung
"Vogelwarte Helgoland"
An der Vogelwarte 21
26386 Wilhelmshaven

Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern
Beringungszentrale Hiddensee
18439 Stralsund

Max-Planck-Institut für Ornithologie
Vogelwarte Radolfzell
Schlossallee 2
78315 Radolfzell

 

Liebe Beringerkolleginnen und –kollegen,

 das Geflügelpestvirus H5N1 hat nun auch Deutschland erreicht. Wir sehen darin keinen Anlass, in Hysterie und Panik zu verfallen und schon gar nicht, die Vogelberingung einzustellen. Im Gegenteil, gerade jetzt erweisen sich die bereits vorhandenen Beringungsergebnisse als einzige tragfähige Grundlage zur richtigen Beurteilung der Situation und sind gezielte Beringungen für ein besseres Verständnis der Epidemiologie der Vogelgrippe dringend notwendig.

Allerdings ist große Vorsicht geboten! Wir bitten Sie, insbesondere die Beringung  aller Enten- und Schwanenarten sowie von Gänsen, Reihern, Störchen, Limikolen, Möwen und Greifvögeln bis auf weiteres nur in dem Umfange durchzuführen, der im Rahmen definierter Beringungsprogramme unbedingt erforderlich ist. Dabei sind die folgenden Verhaltens- und Hygieneregeln dringend zu beachten:

  • Vor allem Hände, Augen und Atemwege sind vor möglichem Vireneintrag zu schützen!
     

  • Verdächtige tote Vögel nicht berühren!
     

  • Handhygiene! ist ein wesentlicher Punkt zur Reduzierung der Übertragungsgefahr. Nach Vogelkontakten konsequent immer Hände und Unterarme reinigen, d.h. entweder waschen (d.h. mit Wasser und Seife, mind. 20 Sekunden lang) und/ oder viruzides Handdesinfektionsmittel benutzen (Hinweise zur richtigen Händedesinfektion beachten).
     

  • Staubentstehung und Augenspritzer vermeiden (Atemschutzmaske mit Partikelfilter FFP 3 sowie Augenschutzbrille verwenden!). Schutzausrüstung fachgerecht ver- bzw. entsorgen.
     

  • Kein Essen, Trinken, Rauchen, Schlafen in Vogelnähe. Strikte Trennung von Arbeits- und Koch-, Ess-, Wohn- und Schlafbereichen.
     

  • Schuhe und Kleidung nicht mit ins Haus bzw. in Wohnbereich mitnehmen, ggf. zuvor unter Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen reinigen.
     

  • Personen, die mit Wildvögeln in engen Kontakt kommen, müssen sich konsequent von jeglichem Hausgeflügel fern halten und auch darauf achten, dass weder Kleidung noch Ausrüstungsgegenstände (auch nicht verschmutzte Schuhe, Fahrzeuge usw.) als unbemerkter Übertragungsweg zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel oder umgekehrt auftreten.
     

  • Bei Verdacht auf Kontakt mit Vogelgrippeerregern Körpertemperatur mindestens 7-10 Tage überwachen und bei über 37,5 °C umgehend einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen (dort vorab telefonisch anmelden!).

Bei Verdacht auf Vogelgrippe bei erkrankten oder verendeten Vögeln umgehend die örtlichen Gesundheits- und Veterinärbehörden hinzuziehen!!

 

 

 

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Zuletzt geändert am 13.02.2009